Winfried Jäger Xantener Landbier


Erschienen Rheinische Post 09.03.2013 Xanten (RP)

"Xantener Landbier zum Genießen und Fasten"

VON JOSEF POGORZALEK




Foto:Olaf Ostermann


Hobbybrauer Winfried Jäger hat neue Biersorten im Angebot. Demnächst will er einen eigenen Ausschank eröffnen. Die Klosterbrüder des Mittelalters wussten sich zu helfen. Wenn in der Fastenzeit vor Ostern der Magen knurrte, brauten sie ein gehaltvolles, nahrhaftes Bier, mit dem sie sich den Bauch vollschlugen. Weshalb auch vom "flüssigen Brot" gesprochen wurde. "Es half ihnen wohl auch, den Hunger zu vergessen", sagt Winfried Jäger. Denn der Alkoholgehalt des Gebräus war recht hoch. Jäger, Schöpfer des "Xantener Landbiers", hat jetzt sein eigenes Fastenbier aufgelegt.

BonifatiusDas süffige Doppelbock mit 6,8 Prozent Alkohol trägt den Namen "Bonifatius" nach dem aus Wessex stammenden frühmittelalterlichen Benediktinermönch, der als "Apostel der Deutschen" in die Geschichte eingegangen ist. Bonifatius hieß ursprünglich Winfrith (Winfried), was Namensvetter Jäger zu einem Scherz inspiriert hat: Das Etikett des Bieres zeigt die Zeichnung eines Mönchs mit den Gesichtszügen des Xantener Braumeisters.

Ein "Fulltime-Hobby" sei das Bierbrauen für ihn inzwischen, sagt Jäger, der beim Getränkehersteller Hövelmann in Duisburg-Walsum arbeitet. "Meine ganze Freizeit geht dabei drauf. Zum Glück unterstützt mich meine Frau." Bier braut Jäger bereits seit 18 Jahren. Bekannt wurde er mit dem 2009 zum Pfarrfest der Propsteigemeinde kreierten "Viktor-Bräu". Inzwischen braut und verkauft der 54-Jährige den unfiltrierten, naturbelassenen Gerstensaft mit 5,2 Volumenprozent Alkohol unter dem Namen "Xantener Landbier". Vor Weihnachten erfreut Jäger dazu noch mit einem dunklen "Nikolausbock".

5500 Liter Bier setzte der Braumeister im letzten Jahr an, wie immer in der Kalkarer Mühlenbrauerei. Seine Tropfen bringt er in Zusammenarbeit mit dem Getränkemarkt "Trinkgut" in Xanten an den Mann. Ausgeschenkt wird das Landbier außerdem schon seit längerer Zeit im Restaurant und Hotel "Hövelmann's" am Xantener Marktplatz. Neuerdings ist es ebenfalls im "Sonsbecker Hof" erhältlich. "Es kommt bei uns gut an, insgesamt sogar besser als Diebels", sagt Dennis Beng, Chef des Restaurants an der Hochstraße in Sonsbeck. "Vor allem bei Frauen." Den Damen sage der nicht ganz so herbe Geschmack des Landbiers zu.

Wäre das Brauen sein Broterwerb und nicht "nur" eine Leidenschaft, könnte man sagen: Jäger ist auf Expansionskurs. Er lässt einen Internet-Auftritt vom Xantener Web-Designer Jürgen Schweitzer gestalten. Und er bereitet einen eigenen Wochenend-Ausschank in einem kleinen Lokal in Xantens Stadtmitte vor. Speziell dafür hat Jäger ein helles Bier nach Pilsener Brauart entworfen. Es trägt den wohlklingenden Namen "Xantener Gold" und wird künftig parallel zum Landbier angeboten. Dazu kommen dann saisonale Sorten wie eben das Fastenbier, Nikolausbock oder auch Maibock.

Der Xantener Bierfachmann hat eine kleine Gemeinde der Gerstensaftfreunde um sich versammelt. Sein Wissen gibt er in Brauseminaren weiter. Daraus ergeben sich auch längerfristige Kontakte. "Zurzeit betreue ich fünf Xantener Gruppen, die in der Freizeit Bier brauen", sagt Jäger. Ein Steckenpferd, das nicht nur das gesellige Miteinander fördert, sondern mitunter auch den sportlichen Ehrgeiz weckt. So machte sich Jäger schon mal den Spaß, die Braugruppen bei einer "Pils-WM" gegeneinander und ihn selbst antreten zu lassen. "Ich hab nur den dritten Platz belegt", sagt er mit einem Lachen. "Aber ich hatte auch nur wenig Zeit zur Vorbereitung."

Quelle: RP/rl