Bericht in der NRZ-Online vom 03.02.2013


Wie die Brühe zum Gesöff wird


http://www.derwesten.de/nrz/staedte/nachrichten-aus-kleve-und-der-region/wie-die-bruehe-zum-gesoeff-wird-id7560713.html

Brauseminare



Am Samstag, den 02.02.2013 in Kalkar zeigte der ehrenamtliche Bierbraumeister Winfried Jaeger die Kunst des Bierbrauens. Hier Winfried Jäger

Foto: Heinz Holzbach Waz FotoPool

Kalkar. Bei einem Bierbraukurs in der Kalkarer Mühle lernten 14 Teilnehmer,
wie man Bier selber machen kann


Zugegeben: Der Anblick ist nicht schön, der Geruch etwas penetrant. Eine dunkle, dampfende Brühe wird auf Geschirrhandtücher geschüttet, die mit Wäscheklammern über einen Eimer gespannt sind. Maische nennt der Fachmann dieses Gemisch aus Wasser und Schrot, und das Filtern heißt unter Bierbrauern Läutern. Eine der vielen Stationen, die Hopfen, Malz, Hefe und Wasser auf ihrem langen Weg zur Bierwerdung zurücklegen. Aber wenn man nach vier Wochen die Bierflasche öffnet und das kühle Nass in die Kehle schüttet, ist alle Mühsal der Welt vergessen.

Kein Kinderspiel

Ein Kinderspiel ist es also nicht, das Bierbrauen, aber auch keine Hexerei. Dreizehn Herren und eine Dame sitzen im Halbrund in der Kalkarer Mühle, wo der Bierbraukurs der Familienbildungsstätte Kalkar stattfindet.

Für Jörg Müllejans ist die Teilnahme am Kurs das Weihnachtsgeschenk seiner Freundin. "Ich habe noch nie selbst Gebrautes getrunken", sagt er, aber ich denke, "das kann man mit ein paar Freunden auch zuhause machen." Die Schwierigkeit sieht er eher woanders: Innerhalb von drei Wochen muss das Bier ausgetrunken sein. "Das schafft man nicht allein."

Winfried Jäger, gelernter Bierbrauer und studierter Brauereitechnologe, ist ein idealer Lehrmeister. Er hat auf jede der zahllosen Fragen eine Antwort, garniert mit einem einleuchtenden Vergleich. Zum Beispiel, wenn es um die Hefe geht. Denn mit der Hefe ist das so eine Sache. Irgendwann hat sie ausgegärt. Theoretisch zumindest.

Aber praktisch kann sie doch noch weitermachen, wenn der Zucker weg ist. Braumeister Winfried Jäger erklärt das so: Mein Lieblingsgericht ist Currywurst mit Pommes. Nudeln mit Gulasch mag ich nicht. Aber wenn es in dieser Welt keine Currywurst mit Pommes mehr gibt, gehe ich auch an Nudeln mit Gulasch.“

Die Hefe macht es genauso, klar. Deshalb tötet man sie im Hefebier, das man im Supermarkt kauft, rechtzeitig ab. Jäger: "Sonst würde einem die Flasche um die Ohren fliegen." Früher war das anders, da kam der Hefeweizen direkt aus der Hausbrauerei in die Gaststätte.

"Wenn man ein bisschen Ahnung hat, kann man alles zuhause brauen, Pils, Alt, Bockbier oder schottisches Bier", sagt Jäger.

Man braucht neben den Zutaten lediglich einen Einmachtopf, einen Holzlöffel, die gute alte Haushaltswaage, Geschirrhandtücher aus Baumwolle und Wäscheklammern. "Statt Geschirrhandtüchern musste ich auch schon mal einen alten Schlafanzug nehmen", berichtet er, empfiehlt es aber nicht. Denn wenn man als Heimbrauer die Maische auspresst, kann schon mal der Baumwollstoff reißen.

Alles halb so schlimm, hygienisch auch unbedenklich, denn bevor die Brühe zum Gesöff wird, muss sie erst noch 70 Minuten kochen. Erst beim Kochen kommt der Hopfen dazu.

Wenn man die ganze Kocherei und das Filtrieren bewältigt hat, braucht man vor allem noch eines: eine Menge Geduld. Denn während man ein selbst gebackenes Brot am besten möglichst frisch essen sollte, muss man die Bierflaschen erst noch wochenlang stehenlassen. Womöglich ist das die schwierigste Lektion für Teilnehmer des Braukurses.